27.8.
Am Abend hatte ich auf einmal explosionsartigen Durchfall, was in Indien ja nichts besonderes ist. Verzicht aufs Abendessen. Die Nacht war auch nicht besonders erholsam, da ich wieder von der Schlafapnoe heimgesucht wurde. Das heißt eine Minute schlafen, dann Aussetzen der Atmung, dann panikartiges Aufwachen, dann zwei tiefe Atemzüge, dann wieder einschlafen und alles wieder
von vorne, bis endlich der Wecker um 6:00 klingelt. Schnell Zähne putzen, alles nicht auf dem Velo benötigte in die Tasche packen und auf zum Frühstück, das ich natürlich kaum anrührte.
Zum Glück verlief die Strecke heute zunächst fast flach 50 km dem Indus entlang vorbei an zahllosen Militärlagern. Danach 20 km Aufstieg durch ein spektakuläres Seitental auf 4000 m, wo wir jetzt in einer einfachen Unterkunft nächtigen werden. Es hat nur noch wenige, winzige Dörfer und dort, wo möglich, wird etwas Korn angebaut und mit mittelalterlichen Methoden geerntet.

Ein Klosterberg im Industal

Sie wartet auf den Bus, der irgendwann kommen wird

20 km das spektakuläre Seitental hinauf
28.8.
Nach einem längeren, äusserst ergiebigem Aufenthalt auf der Toilette ging es auf die Königsetappe, den Tanglangla-Pass, mit 5360 m höchsten unserer Reise. Wir wurden alle schon im Voraus auf die Gefahren in dieser dünnen Luft (auf 5500 m ist die Luft halb so dünn wie auf Meereshöhe), wie großer Wasserverlust allein durch Atmen und die Symptome der Höhenkrankheit, verursacht durch Sauerstoffmangel, hingewiesen. Zu unserer Sicherheit wurden neben unseren drei Begleitfahrzeugen noch zwei weitere Fahrzeuge angemietet und alle fünf mit Sauerstoff ausgerüstet. Diese wurden an der Strecke positioniert bzw. fuhren auf und ab um uns zu beobachten.
Tatsächlich musste einer von uns von unserer Medizinfrau „aus dem Rennen“ genommen und mit Sauerstoff versorgt werden. Trotz anfänglichen Protesten wurde er zurück in das tiefer gelegene Leh gebracht und muss den Weg nach Manali im Flugzeug zurück legen.
Ich bekam davon nicht viel mit, da ich für mich alleine ganz langsam und achtsam den Pass Meter um Meter erklomm. Irgendwann, nach etwa vier Stunden war ich oben, zwar leicht atemlos aber guter Dinge. Nach den obligatorischen Gipfelfotos überziehen einer wärmeren Jacke und ab nach unten, 30 km wilde Abfahrt zu unserer Zeltstadt. Neben und über mir donnerte es schon seit einer Weile, es reichte mir aber nicht ganz und in den letzten 5 min wurde ich noch kräftig kalt geduscht.
Die Zeltstadt liegt mitten in einer großen Ebene, umgeben von kahlen Bergen. Nach dem Abzug des Gewitters brach die Sonne wieder durch die Wolken und zauberte unglaubliche Stimmungen in die ohnehin schon faszinierende Landschaft.

Mühsamstes Leben

Eine Yackherde auf etwa 4800 m

Blick zurück kurz vor dem Pass


Endlich oben

Gleich regnet es. Im Hintergrund die Zeltstadt


Unglaubliche Stimmungen nach dem Gewitter

Beim zNacht im Zelt

Der Herr der Zelte
29.8.
nach einer sehr kalten Nacht auf 4500 m mit wenig Schlaf am Morgen Freude über die wärmenden Sonnenstrahlen. Meine Veloklamotten waren auch fast trocken. Heute nur 50 km und 400 m auf und ab, also fast ein Ruhetag. Ich fuhr die Strecke mit Caroline, die ich in Neuseeland besucht hatte. Die Szenerie erinnerte mich stark an die Mongolei. Viele schöne Wolken, aber kein Regen. Nach einer haarnadelkurvigen Abfahrt sind wir jetzt in einem winzigen Dorf mit ca 10 sehr einfachen Restaurants und Unterkünften, teils in Rundzelten, teils in ärmlichen Gebäuden. Die Unterkunft ist sehr einfach. 8- und 4-Bett-Zimmer mit sehr harten Liegeflächen (Bett wäre übertrieben). Duschen neben der Toilette (eine für zwei Zimmer = 12 Personen) mit je einem Eimer kaltem und warmem Wasser, das man sich mit einem kleinen Schöpfer über den Kopf gießt. Aber so leben die Menschen hier. Ich bin sehr froh, dass ich mein eigenes Kopfkissen und den Seidenschlafsack dabei habe.

Am Morgen scheint zum Glück die Sonne

Wilde Wolken schon am frühen Morgen

On the road again

Einer unserer treuen Fahrer

Unsere einfache Unterkunft

Feines indisches zNacht
30.8.
Nach einer zum Teil durchwachten Nacht und einer wieder gründlichen Darmentleerung machte ich mit Caroline auf den Weg hinauf durch ein enges Tal auf unseren ersten Pass etwas über 5000 m. Wir wunderten uns schon über den wenigen Gegenverkehr und genossen trotz etwas Regen die Auffahrt. Oben am Pass dann eine riesige Schlange von Lkws, die alle einige Stunden auf die Abfahrt warten mussten, da die Straße neu geteert wurde. Nach dem nächsten, fast gleich hohen Pass ging’s dann über viele, spektakuläre Haarnadelkurven 1000 m hinunter zu einem Fluss in einem breiten Tal, den wir nur noch 35 km hinauf radeln mussten zu unserer nächsten Zeltstadt. Dachten wir… Ziemlicher Gegenwind machte uns das Leben schwer, so dass ich ( inzwischen alleine) ziemlich erschöpft um 17 Uhr dort ankam. Nach dem Sonnenuntergang wurde es auf den 4400 m Höhe recht kalt und zum Schlafen bekamen wir alle eine warme Bettflasche mit in Zelt.

Schlucht mit Caroline

1000 m hinunter

Den Gegenwind sieht man leider nicht

Wider eine Zeltstadt
31.8.
heute unser letzter Pass über 5000 m, dann 2000 m Abfahrt, welch schöne Aussichten. Der Aufstieg wurde schon durch zahlreiche Unstetigkeitsstellen in der Straße verlangsamt, bei der Abfahrt kam dann kräftiger Gegenwind dazu. Es ist unglaublich, wie die Natur hier das Sagen hat und nicht der Mensch. Immer wieder war die Straße einfach weggespült oder von Schlamm und Geröllmassen bedeckt. Notdürftig improvisierte Umfahrungen, teils einem Flusslauf ähnelnde Passagen, staubige Abschnitte, auf denen der Belag wegerodiert war und immer wieder Lastwagen und Militärkolonnen, denen man auf den engen Straßen Platz machen muss. Ohne Militär gäbe es hier wahrscheinlich sowieso keine Straßen und Brücken.
Hier „ unten“ auf 3000 m ist es im Talgrund wieder grün, es hat an den steilen Hängen winzige Felder, auf denen Menschen zu sehen sind, die diese bearbeiten.
Wir können heute wieder in einem richtigen Zimmer schlafen, welches sogar eine eigene, funktionierende Dusche hat.
Ein richtig Luxus.

Arbeiter beim Flicken

Gegenverkehr

Fluss oder Straße?

Kleinste Felder mit kleiner Siedlung

Ins nächste Tal

Es gibt wieder mehr Leben
1.9.
zwar immer noch auf 3300 m Höhe, habe ich seit Tagen endlich wieder wunderbar geschlafen. Wir fahren heute nur 50 km durch ein Tal, das, je tiefer man kommt, immer grüner wird. Es gibt wieder Dörfer und Ackerbau auf winzigen, den steilen Hängen abgerungenen Feldern. Erste Apfelbäume auf über 3000 m Dank der Klimaerwärmung.
Nach den 50 km Weiterfahrt steigen wir von unseren Velos ab und fahren mit vier Kleinbussen über den knapp 4000 m hohen Rohtangpass, die abenteuerlichste Autofahrt, die ich je erlebt habe. Über vier Stunden für 80 km. Gegenverkehr mit vielen Lastwagen auf engster Straße mit Abgrund auf einer Seite. Große Abschnitte mit gröbstem Schotter, viele tiefe Schlaglöcher, von Schlammlawienen bedeckte Fahrbahn.
Am späten Nachmittag endlich im Hotel in Manali. Große Zimmer, schöne Bar, gutes Essen. Morgen Ruhetag.

Verlassen des Hotels

Stupas und Gletscher


In diesem Zelt wohnt diese Schöne Frau

Es hat wieder Dörfer

Sogar ein Mann, der schleppt
Es grünt

Im Bus nach Manali
hinunter am Abgrund durch den Schlamm

Verpflegung an einer Engstelle im Regen

Einige der unzähligen Haarnadeln nach Manali

Auf der Südseite ist es etwas feuchter, dank Monsun

Schäfer im Regen